Gewaltenteilung als sÀkularisierter Polytheismus
Geschichtenvielfalt
Es gibt giftige Mythen... GefÀhrlich ist immer und mindestens der Monomythos; ungefÀhrlich hingegen sind die Polymythen. ... Den Freiheitsspielraum der NichtidentitÀten, der beim Monomythos fehlt, gewÀhrt hingegen die polymythische Geschichtenvielfalt. Sie istGewaltenteilung: sie teilt die Gewalt der Geschichte in viele Geschichten; und just dadurch ... erhÀlt der Mensch die Freiheitschance, eine je eigene Vielfalt zu haben, d. h. ein Einzelner zu sein. (Polytheismus 1, 1978, S. 98)
SĂ€kularisierter Polytheismus
Der moderne - profane, innerweltliche - Aggregatzustand des Polytheismus ist die politische Gewaltenteilung: sie ist aufgeklÀrter - sÀkularisierter - Polytheismus. (Polytheismus 1, 1978, S. 107)
LiberalitÀtsmittel
[Die] literarische Hermeneutik operiert - als pluralisierende - mit dem LiberalitĂ€tsmittel der Gewaltenteilung, derzufolge der Einzelne - wenn er schon nicht, mit Adorno zu reden,âohne Angst anders sein“ kann - jedenfalls mit verminderter Angst anders sein kann schlieĂlich - divide et fuge! - durch die Gewaltenteilung auch der Schriften und Auslegungen: durch die Teilung auch noch jener Gewalten, die die Geschichten, und auch noch jener MĂ€chte, die die Texte sind. (Hermeneutik, 1979, S. 134)
Politisch aufgeklÀrter Polytheismus
Aber gibt es ĂŒberhaupt PhĂ€nomene eines politisch aufgeklĂ€rten Polytheismus? Es gibt mindestens ein solches PhĂ€nomen: dieGewaltenteilung. Die politische Gewaltenteilung ist aufgeklĂ€rter – âsĂ€kularisierter“ – Polytheismus: seine Entzauberungsgestalt. (Polytheismus 2, 1984, S. 83)
Entzauberter Polytheismus
Die Gewaltenteilung beginnt nicht erst bei Montesquieu, Locke, Aristoteles, sondern schon im Polytheismus: als Gewaltenteilung im Absoluten durch Pluralismus der Götter. Der Monotheismus macht ihnen – den vielen Göttern – den Himmel streitig und wies sie dadurch aus ihm aus im Effekt auf die Erde, in die Diesseitswelt; dort – entzaubert – richten sie sich modern ein als die zu Institutionen entgöttlichten Götter Legislative, Exekutive, Jurisdiktion; als institutionalisierter Streit der Organisationen zur politischen Willensbildung; als Föderalismus; als Vielfalt der Interessenvertretungen; als Konkurrenz der wirtschaftlichen MĂ€chte am Markt; als akademisch institutionalisierter Dissens der Theorien; als Divergenz der maĂgebenden Werte. Von dieser Gewaltenteilung lebt das Individuum. Es entstand gegen den Monotheismus: Gottes Allmacht konterkariert es durch IneffabilitĂ€t; seine reale Freiheit hat es durch die Gewaltenteilung – als entzauberten Polytheismus – auch an einer einschlĂ€gig kaum untersuchten Stelle: als entzauberte Wiederkehr der monomythisch verdrĂ€ngten Polymythie in spezifisch neuzeitlichen Formen der Mythologie. Die Archaisierung des Mythos ist der Kunstgriff, durch den man ihn als GegenwartsphĂ€nomen zu ĂŒbersehen vermag. Aber wenn man Mythen schlicht als Geschichten versteht, kann man sehen: es gibt eine spezifisch moderne – aufgeklĂ€rte – Polymythie, die sich ebenfalls gegen den Monomythos der einen einzigen Alleingeschichte spezifisch neuzeitlich entwickelt. Ihre Gestalten sind mindestens: die Geschichtswissenschaften (der historische Sinn der narrativen Historie) und das spezifisch moderne Ă€sthetische Genus Roman. Beide setzen den âneutralisierenden Leser“ voraus bzw. entwickeln sich mit ihm. Sie erforschen oder erfinden, und jedenfalls erzĂ€hlen sie âviele“ Geschichten. Ihre AufgeklĂ€rtheit liegt in der Entmischung von facta und ficta. Zugleich wandern – wie C. Levi-Strauss andeutet – die FormzwĂ€nge der Altmythologie aus in die absolut werdende Musik. In dieser Weise wird die Polymythie neuzeitlich entzaubert durch ihren Schritt aus dem Kult in die Bibliothek. Dort sind die Geschichtswerke und Romane prĂ€sent als die Polymythen der modernen Welt: auch darin steckt aufgeklĂ€rter Polytheismus, auch darin steckt – mit dem Gewinn der Chance fĂŒr den Menschen, ein einzelner zu sein – Gewaltenteilung: die Teilung auch noch jener Gewalten, die die Geschichten sind. (Polytheismus 2, 1984, S. 83f.)
Hier knĂŒpfe ich die Frage an, ob wirklich der Polytheismus das Individuum hervorbringt oder ob es nicht die unter den Bedingungen des Monotheismus agierenden israelitischen Propheten waren, die als einzelne ihrem Volk gegenĂŒberzutreten wagten, von einem einzelnen, dem EINEN Gott dazu beauftragt. Und die Frage, ob es nicht im Ăbergang vom Polytheismus z. B. der Babylonier zum Monotheismus der Juden eine SĂ€kularisierung in der Weise gibt, dass nicht KĂ€mpfe der Götter sich auf Erden fortsetzen und das Selbstbild der Menschen und ihrer Gesellschaft prĂ€gen mĂŒssen, wobei die Menschen nur die Chance haben, sich der Vielzahl der Götter durch Flucht zu entziehen, sondern dass der EINE menschenfreundliche Gott im Laufe der jĂŒdisch-christlichen Geschichte den Menschen ermöglicht, die menschliche Kampfgeschichte zu einer wahrhaften Friedensgeschichte zu machen. (Siehe die Verwandlung der Planetengötter in Lichter am Himmel und des Drachengottes Erde in die gezĂ€hmten Meeresungeheuer). OK – sĂ€kularisiert-polytheistische Neuzeit wĂ€re eine Notlösung, wenn die Friedensgeschichte zum universalen Befriedungszwang (und willst du nicht mein Bruder sein, dann kommst du in die Hölle rein) wird. (Helmut SchĂŒtz)
Pluralisierung
Die moderne Welt: das ist Rationalisierung plus Pluralisierung. Nur beides zusammen macht sie zustimmungsfĂ€hig. Dabei betont der Skeptiker die Pluralisierung. ... Dazu gehört auch die Ă€sthetische Gewaltenteilung: die Möglichkeit, viele und bunte Kunstgestalten zu haben. Sie schĂŒtzt vor dem absoluten Alleinkunstwerk durch die Teilung auch noch jener Gewalten, die die Kunstformen, Kunststile, Kunstwerke und ihre Deutungen sind, und ermöglicht so den modernen Menschen auch Ă€sthetische IndividualitĂ€t. ... je moderner die moderne Welt wird, desto unvermeidlicher wird das Ăsthetische. (Aesthetika, 1986, S. 20)
Balance von Einheit und Vielheit
Einheit und Vielheit
Vor gut zweieinhalb Jahren wachte ich eines Nachts – der ĂŒblichen Arbeitszeit der Philosophen – auf und wuĂte: das muĂ das Thema dieses Kongresses werden, Einheit und Vielheit, und beruhigt schlief ich wieder ein. (Vielheit, 1987, S. 30)
Universalisierung und Pluralisierung
Meine These ist, grob gesagt, diese: Je erfolgreicher die Universalisierung, desto nötiger die Pluralisierung. Einheit muĂ durch Vielheit kompensiert werden und wird durch Vielheit kompensiert: Justament darum ist gerade die moderne – die bĂŒrgerliche – Welt mehr Nichtkrise als Krise, also zustimmungsfĂ€hig. (Vielheit, 1987, S. 30)
Balance von Einheit und Vielheit
Insbesondere in unserer gegenwĂ€rtigen Welt zerstört weder die Vielheit die Einheit noch die Einheit die Vielheit, sondern ganz im Gegenteil; gerade der moderne Zuwachs an Universalisierung fördert und erzwingt den modernen Zuwachs an Pluralisierung und umgekehrt, so daĂ gilt: Die moderne – die bĂŒrgerliche – Welt ist die Balance von Einheit und Vielheit. (Vielheit, 1987, S. 33)
Normale PluralitÀt
PluralitĂ€t ... ist kein Defekt, sondern NormalitĂ€t; ist ist keine negative VorlĂ€ufigkeit, sondern positive Unvermeidbarkeit; sie ist keine miĂlungene ProgressivitĂ€t und Absolutheit der Philosophie, sondern gelungene Menschlichkeit der Philosophie. (Denkformen, 1991, S. 117)
Pluralistisches Manifest
Jetzt erwartet man, fĂŒrchte ich, von mir das pluralistische Manifest. Aber ... ich eigne mich nicht zum Missionar, auch nicht zum Missionar des Pluralismus. Darum finde ich es auch gut, daĂ es nicht nur Pluralisten gibt; man sieht ja, daĂ gerade auch Nicht-Pluralisten wie zum Beispiel Marx und Engels zu wichtigen Einsichten in der Lage waren: etwa, daĂ der Kommunismus zu den Gespenstern gehört, wobei zu beachten ist, daĂ es der Job von Gespenstern ist, nicht zu leben, sondern zu spuken (erst wenn sie zu leben versuchen, werden sie schlimm). (Manifest, 1994, S. 115)
Mannigfaltigkeit der Gespenster und Nicht-Gespenster
âEin Gespenst geht um in Europa“: aber warum, zum Teufel, nur âein‘ Gespenst? Ich plĂ€diere fĂŒr Mannigfaltigkeit: Es muĂ mehrere Gespenster geben dĂŒrfen; und es muĂ nicht nur Gespenster geben dĂŒrfen, sondern vor allem auch Nicht-Gespenster, aber auch da eben mehrere. (Manifest, 1994, S. 115)
MiĂbrauch der Pluralismuslosung
Schlecht war die Pluralismuslosung in folgender bestimmten Situation: Um 1970 herum war âPluralismus“ der Kampfruf, mit dem in der Bundesrepublik der Marxismus in die Wissenschaftsinstitutionen drĂ€ngte. Wo er sich etabliert hatte, wurde âPluralismus“ sofort zum Schimpfwort umfunktioniert, mit dem man allen anderen – die man zu diesem Zweck als pluralistische Wahrheitsabstinenzler denunzierte – den Weg in die Wissenschaftsinstitutionen versperren wollte. Diesen Trick – die Pluralismuslosung nach ihrem positiven Gebrauch zum Instrument der Gleichschaltung umzufunktionieren – beherrschen ĂŒbrigens nicht nur Marxisten. ... Man sollte resistent sein gegen diesen MiĂbrauch der Pluralismuslosung. (Manifest, 1994, S. 117)
Wettbewerbspluralismus
Werner Becker hat zwischen âWettbewerbspluralismus“ und âEigentĂŒmlichkeitspluralismus“ unterschieden. Beim âWettbewerbspluralismus“ wird eine Position unter mehreren konkurrierenden Positionen auf Zeit als die akzeptiert, die irgend etwas am besten macht. Auch das ist eine sanfte und keine absolute Verbindlichkeit. Hier ist die Forderung nach Positionseinzigkeit etwa so sinnvoll wie beim Wettlauf die berĂŒhmte Frage: Wenn nur einer gewinnen kann, warum laufen dann die anderen? (Manifest, 1994, S. 120f.)
EigentĂŒmlichkeitspluralismus
Der âEigentĂŒmlichkeitspluralismus“ liefert nicht nur das Positionenreservoir fĂŒr den âWettbewerbspluralismus“, sondern folgt auch einer anderen auf sanfte Weise verbindlichen Intention: mehr zu sehen, indem man mehr lebt. Unser Leben ist kurz und nur eines. Aber es gibt die Mitmenschen, die ja viele sind und an deren Leben wir teilnehmen können, so daĂ wir – in gewisser Hinsicht – auch ihre Leben leben. Die Kommunikation mit den anderen ist fĂŒr uns Menschen die einzige Chance, trotz unserer Lebenseinzigkeit viele Leben zu leben. Dabei ist gerade die Vielheit – die bunte Verschiedenartigkeit – dieser Mitmenschen wichtig: Sie darf durch die Kommunikation mit ihnen nicht getilgt, sondern sie muĂ kultiviert werden. ... Auf sanfte Weise verbindlich ist nicht, daĂ man sich einigt, sondern, daĂ man sich bewegt: Wichtiger als der Konsens ist die Lebenspluralisierung. (Manifest, 1994, S. 121)
Kultur des Universellen
Nur eine der menschlichen Kulturen ist die Kultur des Universellen; es wĂ€re nicht gut, wenn sie die einzige wĂ€re. Denn der Mensch muĂ viele Kulturen – viele Geschichten – haben, um menschlich zu bleiben. Darum ist das Universelle vor allem als Bedingung von Pluralisierungen gerechtfertigt: z. B. die – universellen – Menschenrechte sind institutionelle Garantien fĂŒr die PluralitĂ€t der Menschen; Gleichheit ist angstloses AndersseindĂŒrfen fĂŒr alle. ... Kompensationen sind – vielgestaltige – Fortschritte im Plural. (Stattdessen, 1999, S. 43)
KitteltrÀger und Geschichtenbetroffene
Es braucht mehrere, also mindestens zwei Wissenschaftskulturen, schon um jene Problemverluste zu kompensieren, die ... zum Fortschritt zu den harten Wissenschaften und in den harten Wissenschaften gehören. DafĂŒr braucht es – zum Beispiel (aber keineswegs ausschlieĂlich nur) – die Geisteswissenschaften: ich halte mich hier aus Zeitnot an dieses Beispiel. ... Gegen die Reduktionskultur der exakten Wissenschaften retten sie die KontinuitĂ€tskultur..., indem sie jene Geschichten – Sensibilisierungsgeschichten, Bewahrungsgeschichten, Orientierungsgeschichten – erzĂ€hlen, ohne die die Menschen austauschbare Erfahrungsobjekte statt ganze Menschen sind: KitteltrĂ€ger in der Laborwelt statt Geschichtenbetroffene in der Lebenswelt. (Wissenschaftspluralismus, 2000, S. 131)
Eindeutigkeit und Vieldeutigkeit
So braucht es nicht nur die messenden und experimentierenden Laborwissenschaften, fĂŒr die die Eindeutigkeit lebensnotwendig ist, sondern auch die Lebensweltwissenschaften, fĂŒr die Vieldeutigkeit ein Gewinn ist. Die Menschen brauchen also eine PluralitĂ€t der Wissenschaften, die ihre Defizite wechselseitig kompensieren. ... Dadurch entsteht das Problem der KooperationsfĂ€higkeit einer Mehrzahl oder Vielzahl von Wissenschaften, verschĂ€rft durch die heutige Situation der vielen Spezialisierungen, die zur modernen Wissenschaft gehören. Aber die Antwort auf dieses Problem ist nicht die Einheitswissenschaft, sondern die InterdisziplinaritĂ€t. (Wissenschaftspluralismus, 2000, S. 133)
Zur KlÀrung des Begriffs der Freiheit
Felix culpa
[Nach Kant ist] der SĂŒndenfall ... der Schritt des Menschen zu sich selbst. Als Gewinn der Freiheit durch die erste Freiheitstat ist der SĂŒndenfall eine felix culpa, die kaum noch culpa, sondern nur noch felix ist. (Felix culpa?, 1978, S. 58)
SĂŒndenfall als Freiheit
[W]enn die Menschen – leichtsinnig – schon auf das Bestehende, das das Paradies war, keine RĂŒcksicht genommen haben: um wievieles weniger werden sie RĂŒcksicht nehmen auf bestehende VerhĂ€ltnisse, die nicht das Paradies sind. Schon am Anfang hatte der Schritt in die Freiheit mit RĂŒcksichtslosigkeit und wirklich mit dem Bösen zu tun: der SĂŒndenfall war der Anfang der menschlichen Freiheit, jawohl, aber die menschliche Freiheit, indem sie in den Schrecken umschlug, scheiterte; und so war der SĂŒndenfall vor allem: der Anfang des Scheiterns der menschlichen Freiheit, so daĂ man sagen muĂ: dieser SĂŒndenfall war die Geburt der Freiheit, aber vor allem war erwirklich der SĂŒndenfall. (Felix culpa?, 1978, S. 62)
UmerzÀhlen
[D]as ist bei dem, was uns widerfÀhrt, zuweilen die einzige Freiheit, die uns bleibt: das an den Geschichten, was wir nicht Àndern können, wenigstens zu erzÀhlen und umzuerzÀhlen. (Polytheismus 1, 1978, S. 93)
DeterminantengedrÀngel
[D]ie Menschen sind nicht dadurch frei, daĂ sie Gott kopieren: als quasi-allmĂ€chtige Chefs der Weltregie oder durch unbedingtes Vermögen, sondern sie sind frei durch Freiheiten im Plural, die ihnen zufallen, indem die Determinanten, die determinierend auf sie einstĂŒrmen, durch DeterminierungsgedrĂ€ngel einander wechselseitig beim Determinieren behindern: einzig dadurch, daĂ jede weitere Determinante den Determinationsdruck jeder anderen einschrĂ€nkt, anhĂ€lt, mildert, sind und haben Menschen ihre – bescheidene, durchaus endliche, begrenzte – je eigene (individuelle) Freiheit gegenĂŒber dem Alleinzugriff einer jeden. (ZufĂ€llig, 1984, S. 134)
Buntheit
Ich behaupte hier also ... den Freiheitseffekt der allgemeinen Buntheit der natĂŒrlichen und geschichtlichen Menschenwirklichkeit. Der Umstand, daĂ das ZufĂ€llige, das den Menschen zustöĂt, nicht ein einziger – ungeteilter – Zufall ist, sondern aus ZufĂ€llen im Plural besteht: dieser – selber schicksalszufĂ€llige – Umstand macht es, daĂ – in der Form von Freiheiten im Plural – den Menschen ihr Zufall Freiheit zufĂ€llt. (ZufĂ€llig, 1984, S. 134)
Toleranz und Mitleid
Lachbereitschaft und Weinbereitschaft – also Humor und Melancholie – [sind] Konkretionen von Toleranz und Mitleid: nicht nur menschlich, sondern auch allzumenschlich leistbare Respektierungen von Freiheit und WĂŒrde des Menschen. Frei ... ist, wer lachen und weinen kann; und WĂŒrde hat der, der lacht und weint, und – unter den Menschen – insbesondere der, der viel gelacht und geweint hat. (ZufĂ€llig, 1984, S. 134f.)
BĂŒrger vieler Welten
[J]eder Mensch ist nicht nur BĂŒrger zweier Welten, sondern BĂŒrger vieler Welten. Denn jeder hat viele WirklichkeitsverhĂ€ltnisse, deren jedes – gewaltenteilig – die Gewalt eines jeden anderen einschrĂ€nkt und dadurch jeden Menschen vor dem Alleinzugriff eines einzigen WirklichkeitsverhĂ€ltnisses schĂŒtzt; und jeder Mensch ist um so freier, je mehr das so ist. ... die Philosophie – die Liebe zur Weisheit – wird unweise durch das âsola philosophia“. (Weisheit, 1988, S. 108)
Freiheitsbegriff
Das Freiheitsproblem erhĂ€lt seine besondere Direktion durch den Freiheitsbegriff, der jeweils zugrunde liegt. Freiheit kann sein: die FĂ€higkeit zum Allgemeinen, indem man sich der Besonderheit zu entziehen vermag; oder: das Vermögen zum Guten und Bösen; usf. Hier – in meinen Betrachtungen – wird Freiheit themaeinschlĂ€gig verstanden als die Möglichkeit, anders zu sein als alle anderen, d. h. als die Möglichkeit, ein Individuum zu sein. Diese Freiheit des Menschen, ein Individuum zu sein, lebt – das war hier durchweg die These – von der Gewaltenteilung. (Gewaltenteilung, 1988, 87)
Ach!
Es ist also – als Freiheitswirkung – zutrĂ€glich fĂŒr den Menschen, viele (mehrere) Ăberzeugungen zu haben: nicht gar keine und nicht nur eine, sondern viele; und zutrĂ€glich fĂŒr ihn, viele (mehrere) Traditionen und Geschichten zu haben und auch viele (mehrere) Seelen – ach! – in der eigenen Brust: nicht gar keine und nicht nur eine, sondern viele; und vielleicht ist es auch zutrĂ€glich fĂŒr ihn, viele (mehrere) Götter und Orientierungspunkte zu haben: nicht gar keinen und nicht nur einen, sondern mehrere oder sogar viele. (Gewaltenteilung, 1988, 88)
Freiheit durch Division
Denn die Menschen sind nicht dadurch frei, daĂ sie Gott kopieren: als quasi-allmĂ€chtige Chefs der Weltregie oder durch unbedingte Vermögen; sondern die Menschen sind frei und Individuum, indem die ZufĂ€lle, die ihnen zufallen und als Determinanten determinierend auf sie einstĂŒrzen, durch DeterminantengedrĂ€ngel einander wechselseitig beim Determinieren behindern: einzig dadurch, daĂ jede weitere Determinante den Determinationsdruck jeder anderen einschrĂ€nkt, anhĂ€lt, mildert, sind und haben Menschen ihre – bescheidene, durchaus endliche, begrenzte – je eigene individuelle Freiheit gegenĂŒber dem Alleinzugriff einer jeden. Nicht die Nulldetermination – das Fehlen aller Determinanten – und nicht die Ăbermacht einer einzigen (ggf. besonders erhabenen) Determinante macht den Menschen frei, sondern die ĂberfĂŒlle an Determinanten tut es (also nicht seine Divination, sondern die Division). (Gewaltenteilung, 1988, 88f.)
Pragmatisierungseffekt
Warum ist der Pluralismus der Denkformen gut und aktuell? … So gibt es – beispielsweise – den Pragmatisierungseffekt des Pluralismus der Philosophien. Eine unfehlbarkeitspflichtige Alleinphilosophie wittert ĂŒberall HĂ€resien: sie leidet an Verfolgungswahn, der inVerfolgerwahn umschlĂ€gt. Ein pluralistisches Philosophenensemble hingegen kann liberal sein: es weiĂ, daĂ die Philosophie, die sich seit 2500 Jahren in Grundsatzfragen nicht geeinigt hat, dies in den nĂ€chsten drei Monaten wahrscheinlicherweise auch nicht tun wird; darum fĂ€llt es ihr leichter, ihre kurz- und mittelfristigen Probleme nicht grundsĂ€tzlich, sondern pragmatisch zu regeln. (Denkformen, 1991, S. 121)
Zustimmungen
Wir mĂŒssen ... viele und bunte und verschiedenartige Zustimmungen leben und pflegen, damit uns jede davon – durch Gewaltenteilung der Zustimmungen – vor dem Alleinregiment einer einzigen totalitĂ€ren Diesseitszustimmung rettet und uns gerade dadurch individuelle Freiheit ermöglicht. So ist die Skepsis zugleich der Sinn fĂŒr Gewaltenteilung: bis hin zur Teilung auch noch jener Gewalten, die die Zustimmungen sind. Sie ist das Nein zum groĂen Nein zugunsten der kleinen Jas. So zerstört die Skepsis gegenmenschliche Zustimmungen, so ermöglicht sie menschliche Zustimmungen, etwa: ... die Zustimmung zur Welt. ... (Zustimmung, 1992, S. 11) … die Zustimmung gerade zur modernen, zur bĂŒrgerlichen Welt. ... (Zustimmung, 1992, S. 12) … die Zustimmung zu den lebens- und sterbensweltlichen NahverhĂ€ltnissen. Denn es gibt das Recht der nĂ€chsten Dinge gegenĂŒber den letzten. (Zustimmung, 1992, S. 13)
ZugriffsgedrÀngel
Individuelle Freiheit gibt es fĂŒr Menschen nur dort, wo das Individuum nicht dem Alleinzugriff einer einzigen Alleinmacht unterworfen ist, sondern wo mehrere – voneinander unabhĂ€ngige – WirklichkeitsmĂ€chte existieren, die – beim Zugriff auf den einzelnen – durch ZugriffsgedrĂ€ngel einander wechselseitig beim Zugreifen behindern und begrenzen. (Manifest, 1994, S. 119)
Freiheit und Gewaltenteilung
Menschliche Freiheit ... lebt von der Gewaltenteilung. Freiheit ist kein Minus, sondern ein Plus an Determiniertheit. Diese Freiheitsthese versucht, jenen Freiheitsgedanken, der aus der politischen Gewaltenteilungslehre kommt, mit jenem Freiheitsgedanken zu kreuzen und zu legieren, der – wenn im Effekt auch schichtenfrei – aus der philosophischen Schichtenlehre kommt. Es resultiert – hoffe ich – eine determinationspluralistische Freiheitsthese. (Freiheit, 2006, S. 109)
Nulldetermination
Die berĂŒhmte dritte Antinomie aus Kants Kritik der reinen Vernunft scheint die klassische Formulierung des Freiheitsproblems zu sein. Dort nennt Kant ... âFreiheit [...] das Vermögen eine Begebenheit von selbst anzufangen“, also sie âspontan“ zu beginnen: Freiheit ist durch Indeterminismus als Nulldetermination bestimmt. Dagegen steht die These vom durchgĂ€ngigen Determinismus der Natur, die heute meist âNaturalismus“ genannt wird. Es kommt also zum Widerstreit. In der Kurzfassung der Prolegomena besagt diese Antinomie: âSatz: Es gibt in der Welt Ursachen durch Freiheit. Gegensatz: Es ist keine Freiheit, sondern alles ist Natur.“ Das also ist – in Kurzfassung – die berĂŒhmte dritte, die Freiheits-Antinomie derKritik der reinen Vernunft. (Freiheit, 2006, S. 109)
Verwechslungsmetaphysik
Indes: Kant formuliert diese âdritte Antinomie“ gerade, um zu zeigen, wie das Freiheitsproblem nicht diskutiert werden kann. Sie steht im Kontext von Kants Metaphysikkritik... Wo die lebensweltlich metaphysische These von der Vorausbestimmung und Voraussicht Gottes – nach dem pantheistischen Zwischenspiel âDeus sive natura“ (Spinoza) – verlassen ist, tritt an ihrer Stelle die ânaturalistische“ These von der naturgesetzlichen Determination auf, bei der das Freiheitsproblem verlorengeht, indem es zum Determinismus-Indeterminismus-Streit wird. Darum ... ist die berĂŒhmte âdritte Antinomie“ von Kants erster Kritik gerade nicht die klassische Formulierung des Freiheitsproblems: sie ist vielmehr die Konkursbilanz des kontrollmetaphysischen Versuchs, Freiheit auf dem Boden der Laborwissenschaft zu diskutieren. Sie begreift entweder (Determinationsthese) die Freiheit nicht oder (Indeterminationsthese) nicht die Freiheit, sondern verwechselt âErscheinungen“ mit âDingen an sich“. Aber – schreibt Kant – âsind Erscheinungen Dinge an sich selbst, so ist Freiheit nicht zu retten“. Die Verwechslungsmetaphysik – der wildgewordene Reduktionismus – rettet die Freiheit nicht: sie gibt das Freiheitsproblem verloren. (Freiheit, 2006, S. 110)
Fragebogenwissenschaft mit FingerĂŒbungen
So wird die Freiheitsdiskussion unterfordert. Ich will nicht mĂ€keln, daĂ die – inzwischen teilweise neurobiologisch orientierte – Psychologie weithin zur Fragebogenwissenschaft geworden ist. Am Anfang ihrer experimentellen Form stand die Kritik der Introspektion; aber sie hat nur – mit Hilfe der Statistik – die SolitĂ€rintrospektion durch die Kollektivintrospektion abgelöst. Der Fragebogen ist die Rache der Introspektion fĂŒr ihre Vertreibung: durch den Fragebogen ist die Introspektion tausendfach zurĂŒckgekehrt. Wichtiger ist, scheint mir, daĂ die Frage nach der Freiheit unzureichend gestellt wird. Im Namen laborwissenschaftlicher Ăbersichtlichkeit wird – kontrollhinsichtlich allerdings optimal – die Versuchsanordnung auf die einfachstmögliche Form gebracht. So prĂŒft Benjamin Libet die Freiheitsfrage durch eine Fingerbewegung. Aber wo bleibt, daĂ Freiheit gelernt werden kann und muĂ, daĂ es Traditionen und Institutionen der Freiheit gibt und die gewaltenteilige Wirksamkeit von Zusatzdeterminanten? Der Kontext der Freiheit wird dort abgeblendet, wo die Freiheit zur Nulldetermination verkommt: dort bleibt die Freiheit null. Wer Freiheit durch FingerĂŒbungen prĂŒft, prĂŒft nicht die Freiheit: ob er sie verneint oder bejaht. ... Indeterminismus – die Nulldetermination – ist nicht die Freiheit, ob man nun âgegen‘ sie oder âfĂŒr‘ sie spricht. Ich meine also: Die FreiheitsprĂŒfung kann – gerade weil sie zugunsten der laborwissenschaftlichen Kontrolle wirkt – âzu klein‘ sein. (Freiheit, 2006, S. 110f.)
Ăberforderung
Darum versuche ich hier – um das Freiheitsproblem nicht âzu klein‘ zu stellen – es zunĂ€chst einmal als Gegengift âzu groĂ‘ zu stellen: durch einen âzu groĂen‘ Freiheitsversuch mit extrem âzu ausgeweiteter‘ Versuchsanordnung, eine, die die ganze Welt betrifft, wie man sie in der metaphysischen Tradition findet. Auch dieser Versuch – meine ich – scheitert: nun nicht mehr aus UnterforderungsgrĂŒnden, sondern nun aus ĂberforderungsgrĂŒnden. (Freiheit, 2006, S. 112)
Alibi Gottes
Das Freiheitsproblem ist metaphysisch traditionell eine Grundfrage der Theodizee: Freiheit ... ist als Freiheit des Menschen zum Bösen angesichts der Macht Gottes zum Guten und als deren EinschrÀnkung das Alibi Gottes. (Freiheit, 2006, S. 112)
Griechischer Untergrundpessimismus
Es ist auffĂ€llig, daĂ der Begriff der Freiheit ... in der antiken Ethik keinen wesentlichen Platz hat. ... Jacob Burckhardt hat ... die ... These vom griechischen Untergrundpessimismus vertreten. Angesichts der Ăbel und des Leidens in der Welt haben die Griechen gleichzeitig erfunden: die âTragödie“, durch die sie das Lebensleiden in die Distanz des Schauspiels rĂŒckten, und die âPhilosophie“, durch die sie die LebensĂŒbel vergessen konnten, weil sie sie durch Schauen – durch âTheorie“ – besiegten. Sie blickten auf das Wesentliche der Welt – das UnvergĂ€ngliche, das Immerseiende, das Eine, das Wahre, das Gute und ihren Glanz – und relativierten die Welt der Ăbel als das Unwahre und Unwesentliche. ... In der griechischen Philosophie wird das Ăbel und das Leiden âveruneigentlicht‘ zu einer Welt, in der es unwesentlich – nicht – wird. Es kommt zu den Ăbeln, weil es eine Grenze der Macht des Guten und des Wesentlichen gibt, nĂ€mlich die Materie: sie wird zum Alibi des Wesentlichen und Guten. (Freiheit, 2006, S. 112f.)
Krise des Optimismus
Philosophie der Neuzeit: Gegen diese âgnostische“ Tradition wehrt sich die Philosophie der Neuzeit, die weltbewahrender – konservativer – Natur ist. ... das zwingt philosophisch zum âOptimismus“. ... Leibniz ... vertritt der Sache nach ein âSystem des Optimismus“ mit dem Argument: diese Welt ist die âbestmögliche Welt“, bei der Gott durch eine Optimierungskalkulation jene Ăbel – metaphysische, moralische, physische Ăbel – in Kauf nehmen und âzulassen“ muĂ als conditiones sine quibus non nicht der schattenfrei guten, sondern eben nur der âbestmöglichen Welt“. So wird erneut die entscheidende Frage – Kann der Mensch dem allmĂ€chtigen Gott gegenĂŒber frei genug sein, um fĂŒr die Ăbel verantwortlich zu sein? – die Frage nach einem Alibi Gottes. Mit diesem âSystem des Optimismus“ geraten Leibniz und seine AnhĂ€nger ... in eine philosophische Krise: die Krise des Optimismus, die ... zur Geburt der modernen Geschichtsphilosophie fĂŒhrt. Diese moderne Geschichtsphilosophie ... fĂŒhrt zu einem Ăber-Optimismus. Die Schöpfung Gottes ist gerade nicht gut, sondern schlecht: so springt der Mensch als Schöpfer und Erlöser ein, der – statt Gottes – durch das Menschenwerk Geschichte und ihren Fortschritt alles endgĂŒltig gut macht. Aus dem modernen Optimismus wird der absolute Ăber-Optimismus; und aus der Freiheit zum Bösen – dem Alibi Gottes – wird die utopische Freiheit des Menschen zum Guten und Heil, die nun Gott ersetzt. Das aber macht den Menschen – solange es noch schlecht steht mit der Geschichte – zum Nachfolger Gottes als Angeklagten der Theodizee. Jetzt gerĂ€t der Mensch unter Anklagedruck, der zu folgender Verfeindungsfigur fĂŒhrt: daĂ zwar die Menschen angesichts einer immer noch unguten geschichtlichen Schöpfung angeklagt werden, aber immer nur âdie anderen Menschen“. Kritisiert werden die nicht fortschrittlichen durch die fortschrittlichen Menschen. ... Die Avantgardisten richten die ReaktionĂ€re und bestrafen sie durch Verachtung und Vernichtung. ... was als Philosophie der Freiheit begann, endet in einer Philosophie der UnterdrĂŒckung. Das ist – scheint mir – die antimoderne Utopisierung des Freiheitsgedankens, die schlieĂlich nicht zur Neuzeit, sondern nur zur Negation Gottes wird, die schlieĂlich zur Negation auch des Menschen fĂŒhrt. Auch dabei also scheitert das Freiheitsproblem. (Freiheit, 2006, S. 116ff.)
Freiheit als Plus an Determination
Es kommt darauf an, die Situation, in der man Freiheit finden kann, nicht zu klein und nicht zu groĂ zu machen: nicht als FingerĂŒbung und nicht als Entlastung Gottes. Ich versuche, hier einen Ansatz wiederzubeleben, den man in der Philosophie vergessen hat, nĂ€mlich einen Freiheitsnachweis, der aus der Schichtenlehre kommt und dort am stringentesten durchgefĂŒhrt worden ist von Nicolai Hartmann. Ich gebe zu, daĂ ich ursprĂŒnglich – in Ăberheblichkeit solide ausgebildet durch die Freiburger Heideggerschule – Nicolai Hartmann (der als Lehrer viel an die Tafel schrieb) statt fĂŒr einen Philosophen fĂŒr einen begabten Tafelmaler gehalten habe. Inzwischen aber habe ich aus der Ethikund aus dem Aufbau der realen Welt immerhin Folgendes entnommen: Die Freiheit muĂ nicht als Minus an Determination, sondern als Plus an Determination gesehen werden; nicht weniger Determination gibt Freiheit, sondern ein mehr an Determination. Dabei halte ich es – im Unterschied zu Hartmanns Schichtenlehre – fĂŒr angebracht, nicht nur Determinanten ĂŒbergeordneter Schichten, sondern ĂŒberhaupt âandere‘ Determinanten fĂŒr jenes Plus an Determination anzusetzen, das als Freiheit wirksam wird: ... jedes Mehr an Determination ist freiheitswirksam. (Freiheit, 2006, S. 118f.)
Individuum
Die Gewaltenteilungslehre favorisiert einen Freiheitsbegriff, der den einzelnen Menschen als den begreift, der anders ist als alle anderen: d. h. der ein Individuum ist. Diese Freiheit des Menschen, ein Individuum zu sein, lebt von der Gewaltenteilung. (Freiheit, 2006, S. 119)
Ăberdetermination
Denn die Menschen sind nicht dadurch frei, daĂ sie Gott – den AnfĂ€nger aller Determination – kopieren, sondern sie sind frei durch Freiheiten im Plural, indem die Determinanten, die determinierend auf sie einstĂŒrmen, durch DeterminantengedrĂ€ngel einander wechselseitig beim Determinieren behindern: einzig dadurch, daĂ jede weitere Determinante den Determinationsdruck jeder anderen einschrĂ€nkt, haben sie ihre individuelle Freiheit gegenĂŒber dem Alleinzugriff einer jeden. Nicht die Nulldetermination – das Fehlen aller Determinanten – macht die Menschen frei, sondern die ĂberfĂŒlle an Determinanten macht es. Ich behaupte hier also – als skeptisch-moralistisch generalisierte Gewaltenteilungsthese – die Freiheitswirkung der Ăberdetermination. (Freiheit, 2006, S. 120)
Enthierarchisierung
Die schichtentheoretische Freiheitslehre bleibt hierarchisch, die gewaltenteilungstheoretische Freiheitslehre ist gerade nichthierarchisch. Die hier versuchte Kreuzung beider hat zur Folge: die Enthierarchisierung der schichtentheoretischen Lösung und die ontologische Ausweitung der gewaltenteilungstheoretischen Lösung.(Freiheit, 2006, S. 121)
Determinationspluralistische Freiheitsthese
Ich resĂŒmiere: Der heutige – naturalistische oder antinaturalistische – Freiheitsstreit um den Indeterminismus reduziert das Determinationsplus, also die gewaltenteilige Weise, Freiheit zu denken, und ist darum vom Ansatz her freiheitsirrelevant. Der metaphysisch traditionelle Freiheitsstreit um eine Theodizeeformel des Freiheitsproblems ĂŒberlastet das Freiheitsproblem: Freiheit, als Alibi Gottes gedacht, zerstört den Gottesgedanken und die Menschlichkeit der Freiheit. Die determinationspluralistische Freiheitsthese vermeidet – scheint es – beide IrrgĂ€nge und fĂŒhrt – vielleicht – zu einem endlichkeitsbedacht-skeptischen Freiheitsgedanken. Ich sage: vielleicht, und womöglich nimmt auch das die Freiheitsthese zu wenig ernst. Ich allerdings meine: Die Philosophie ist eine viel zu ernste Sache, um sie allein dem Ernst zu ĂŒberlassen. (Freiheit, 2006, S. 122)
